Hierbei wird angenommen, dass der Bildungszeitraum bzw. das für die Kristallisation zur Verfügung stehende Zeitfenster für ein Mineral aufgrund des generell gleichen Verlaufs von Druck und Temperatur in allen Klüften der Lärcheltini-Zone in etwa identisch ist. Lokal sind Abweichungen wie das Fehlen oder massenhafte Auftreten einzelner Minerale sowie das Ausbleiben von Korrosion und Umwandlungen zu beobachten, die auf unterschiedliche Zusammensetzungen des Nebengesteins und/oder auf Differentiationsprozesse in Kluftsystemen zurückgeführt werden können.
Da das Sukzessionsdiagramm im Kern auf Eigenfunden beruht (Sammlung Peter), ist seine Genauigkeit vor allem für die selteneren Minerale stark vom Fundglück abhängig. Daher tauchen auch nicht alle von der Lärcheltini-Zone bekannten Minerale auf. Ich hoffe, dass mir in Zukunft noch einige Ergänzungen möglich sind. Häufig ist durch Beobachtungen mit dem Stereomikroskop nicht festzustellen, ob ein vorhandenes Mineral in einem bestimmten Zeitraum nur noch langsam oder gar nicht mehr gewachsen ist.
Die mengenmäßig bedeutsamsten, fast in jeder Kluft vorhanden Minerale sind Adular, Albit, Limonit, Muskovit und Quarz. Meist in geringerer Menge aber ebenso verbreitet waren/sind Biotit (weitgehend korrodiert/wieder aufgelöst), Chlorit, Hämatit, Ilmenit (zum größten Teil umgewandelt, teilweise korrodiert bzw. wieder aufgelöst), Magnetit, Pyrit, Rutil, Siderit/Ankerit (meist weitgehend korodiert bzw. umgewandelt in Limonit) und Turmalin. Etwas seltener scheinen Anatas, Anhydrit (nur als Einschluss in Quarzkristallen erhalten), Monazit und Xenotim aufzutreten. Nur lokal, dann aber z.T. gehäuft finden sich die arsenhaltigen Minerale Arsenopyrit, Asbecasit, Cafarsit, Cervandonit, Chernovit, Fetiasit und Graeserit, As-Sekundärminerale sowie Titanit. Selten und nur vereinzelt wurden Apatit, Aragonit, Calcit, Crichtonit-Senait, weitere Erzmineralien (Gold, Galenit, Bournonit, Tennantit etc.) u.a. erwähnt.
Von [Bader 1934] wurde angenommen, dass Anatas und Rutil nicht nebeneinander bzw. in der gleichen Kluft vorkämen. Neuere Funde widerlegen diese Annahme. In Einzelfällen konnte sogar eine direkte Aufwachsung von Anatas auf Rutil und umgekehrt beobachtet werden. Ingesamt ist jedoch festzustellen, dass bezogen auf die einzelnen Klüfte in der Regel eine TiO2-Modifikation deutlich vorherrscht.
Eine Besonderheit der Lärcheltini-Anatase gegenüber den meistens alpinen Anatasvorkommen ist das verbreitete Auftreten von Prismenflächen, die zum Teil habitusbestimmend sein können. Die Anatase vom prismatischen Typ werden häufig von Arsenmineralien (Asbecasit, Cervandonit, Chernovit-Xenotim, Fetiasit, im Nebengestein lokal Arsenopyrit) begleitet oder treten in Bereichen auf, in denen auch Arsenminerale gefunden wurden. Auch in den arsenmineralführenden Kluftmineralparagenesen aus der Region Wannigletscher/Cherbadung treten prismatische Anatase auf. Dies könnte ein Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen erhöhten Arsenkonzentration in der hydrothermalen Lösung und der Ausbildung der Prismenflächen beim Anatas sein. Möglicherweise werden die Wachstumsgeschwindigkeiten in Richtung der kristallographischen a- und b-Achse durch Adsorption von Arsenat- oder Arsenit-Ionen soweit verlangsamt, dass es zur Ausbildung der Prismen kommen kann (vorrangig {110}).
Interessant ist in diesem Zudsammenhang auch ein erstmalig von [Seligmann 1886] beschriebener Habituswechsel während des Wachstums prismatischer Anataskristalle vom Spissen, die einen Kern mit einfachem bipyramidalen Habitus {101} erkennen ließen (vgl. auch [Weiß 2004]).
Eine Pseudomorphose nach Ilmenit aus dem Bereich Riggi zeigt neben orientierten Aufwachsungen von Rutil und Hämatit lokal auch eine Überwachsung mit Chlorit. Da Chlorit hier zum Teil von Rutil und Hämatit eingeschlossen wird bzw. sich die drei Minerale gegenseitig im Wachstum behinderten, muss ihre Kristallisation etwa gleichzeitig begonnen habe.
Chlorit konnte demnach in einem relativ großem Zeitraum kristallisieren. Ob die Kristallisation kontinuierlich und in allen Klüften zur gleichen Zeit erfolgte bleibt zu prüfen.
[Stalder et al. 1978] führen aus, dass bei einer röntgenographischen Untersuchung einer Anzahl von Erzmineralien aus der Lärcheltini-Zone nur ein reiner Ilmenit gefunden wurde. Dieser Kristall war flachtafelig mit großer Basisfläche und frei von jeglicher Verwachsung mit Rutil und Magnetit. Diese Beobachtungen konnten an neueren Funden bestätigt werden. Frischer Ilmenit erscheint in der Lärcheltini-Zone nur in wenigen Klüften, dann aber gehäuft. Die Kristalle sind nicht ferromagnetisch, fast immer stark korrodiert und zeigen eine typische Dreiecksstreifung auf den Basisflächen. Hämatit aus der Lärcheltini-Zone hingegen ist in der Regel ferromagnetisch und zeigt eher sechsseitige Wachstumspiralen auf den Basisflächen. In Gesellschaft von frischem Ilmenit wurden mehrfach tafelige Anataskristalle (Kombination {101} u. {001}) beobachtet, die teilweise farbzonar ausgebildet sind.
Häufig finden sich Klüfte mit frischem Ilmenit nur wenige Meter entfernt von Klüften mit vollständig umgewandeltem Ilmenit. Hier müssen also kleinräumig wechselnde Bedingungen geherrscht haben.
Quarz weist immer Fluideinschlüsse auf. Wie im Bereich der Grube Lengenbach ([Hügi 1988], [Knill 1996]) lassen sich ältere Einschlüsse mit zwei flüssigen Phasen und einer Gasphase und jüngere mit einer Flüssigkeit und einer Gasphase unterscheiden.
Die älteren Fluideinschlüsse scheinen relativ selten vorzukommen. Neben einer wässrigen Phase dürfte in ihnen eine flüssige CO2-Phase vorliegen. Überschlägige Abschätzungen anhand des Volumens der Phasen deuten auf CO2-Gehalte in der Größenordnung von 5 - 10 Gew.-% (entsprechend ca. 2 - 4,5 Mol.-%) was der Wasserzone nach [Mullis 1993] entspricht.
Unklar ist, inwieweit die Quarzkristallisation kontinuierlich verlief oder in, durch eine Wachstumsunterbrechung getrennte Generationen gegliedert war. Die einzige Kluft, in der ich bisher zwei getrennte Quarzgenerationen beobachten konnte, war eine Kluft mit großem Quarzband im Bereich des vorderen Kollergraben. Sie enthielt neben Ilmenit-Pseudomorphosen, Magnetit, Pyrit, Monazit, Anatas (zwei Generationen) und Rhipidolith u.a. viele Bergkristalle. Diese sind teilweise oberflächlich matt, was auf eine Anlösung im Verlauf der Sukzession hindeutet. Stellenwiese sind diese Kristalle von einer jüngeren, glänzenden Quarzschicht überwachsen, die zwischenzeitlich gebildeten Magnetit, Chlorit und teilweise Anatas einschließt. Zumindest in dieser Kluft ist es zu einem Hiatus in der Quarzausscheidung gekommen, so dass man von 2 Generationen sprechen kann.
Mit sinkenden Temperaturen und Drücken verlangsamte sich das Wachstum in Richtung senkrecht zu den Prismenflächen zugunsten der c-Achse und führte bei neugebildeten Kristallen zu einem prismatischen bis langprimatischen Habitus. Auch die orientierten, sagenitartigen Rutilaufwachsungen auf Pseudomorphosen nach Ilmenit, die bei gleichzeitigem Auftreten von Hämatitaufwachsungen (bzw. Fortwachsungen) Epitaxien vortäuschen können, entstanden in diesem Zeitraum. Daneben kam es auch zu echten Epitaxien auf Hämatit (z.B. [Peter 2005]).
Die jüngsten Rutile sind prismatische Kristalle mit Größen im mm-Bereich, die z.T. massenhaft in und auf Quarz, Magnetit etc. auftreten. Ausnahmsweise wurden solche Kristalle aufgewachsen auf Anatas und Titanit beobachtet. Diese jüngsten Rutilkristalle haben meist eine orange bis gelbe Farbe und sind z.T. zonar gefärbt (dunklerer, rotbrauner Kernbereich). Ausnahmsweise (in einer Kluft) wurden solche zonar gefärbten Kristalle mit grauer Farbe oder mit grauem Kern als oberflächennaher Einschluss in Quarzkristallen beobachtet, die aufgrund ihrer Farbe zunächst an andere Minerale denken lassen. Unmittelbar auf diesen Quarzkristallen, benachbart zu den grauen Rutilen befinden sich jedoch gelborangene Kristalle mit rotbraunen Kern in gleicher Größe und Habitus. Es ist somit naheliegend, dass es sich bei den grauen Kristallen auch um Rutil handelt.